Carl Gustav Jung stellte seinen Patienten immer die selbe Frage:
Wozu bleibst du so, wie du jetzt bist?
Jung fragte nicht: „Warum bist du so?“ – ihn interessierte die Frage: „Wozu?“
Hinter jedem „Ich bin erschöpft“, „Ich habe keine Energie“, „Ich brauche niemanden“ steckt oft ein verborgener Vorteil.
Manchmal ist es sicherer, im gewohnten Schmerz zu bleiben, als ins Unbekannte zu treten. Diese Frage lässt dich nicht in Selbstmitleid flüchten. Sie bringt Verantwortung – aber ohne Schuldzuweisung.
2. Was geschieht mit dir, wenn dein größter Schmerz verschwindet?
Das Paradoxon: Wir halten an unseren Wunden fest, weil sie ein Teil dessen geworden sind, was wir von uns glauben.
„Ich bin die, die nicht gewählt wurde“, „mich hat man nicht verstanden“, „ich bin immer allein“.
Und wenn das verschwindet? Wer bist du dann?
Diese Frage handelt nicht von Freude. Sie handelt von der Angst, frei zu sein.
Und diese Angst fesselt dich – oder sie lässt dich los.
3. Wo spielst du jeden Tag eine Rolle?
Jung meinte, dass die Psyche dort zu leiden beginnt, wo die Lüge anfängt.
Vor sich selbst. Vor anderen. Vor der Welt.
Wenn du sagst „Alles okay“, obwohl in dir Leere herrscht.
Wenn du nickst, während in dir Wut lodert.
Wahrhaftig leben und unecht sein – das ist unvereinbar.
Dort, wo du lügst, verlierst du dich selbst.
4. Welcher Angst weigerst du dich zu begegnen?
Solange du dich von ihr abwendest, trifft sie Entscheidungen für dich.
Welchen Weg du wählst, wen du in dein Leben einlädst, welche Rolle du einnimmst – all das kann die Angst diktieren.
Nicht der Verstand lenkt die Entscheidungen, sondern das Verborgene.
Jung wusste: Das Unbewusste sitzt immer am Steuer. Und solange du der Angst nicht in die Augen schaust, drehst du dich im Kreis.
Diese Frage ist wie ein Skalpell. Scharf. Aber nicht schärfer, als ein Leben zu führen, das nicht deins ist.
5. Wer bist du, wenn niemand hinschaut?
Wenn keine Augen, kein Applaus, keine Bewertungen da sind.
Wenn du ohne Masken, Rollen und Erwartungen bist.
Jung nannte das den „Schatten“ und das wahre „Ich“.
Denn gerade in der Stille siehst du: Lebst du wirklich? Oder versuchst du nur, „normal“ zu sein?